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Buchhandlung Librium
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Herzlich willkommen in der Buchhandlung Librium

Bei uns finden Sie ein sorgfältig ausgewähltes Sortiment an interessanten und lesenswerten Büchern für Erwachsene und Kinder. Unsere Schwerpunkte sind Literatur, Architektur, Philosophie, Geschichte, Politik, Graphic Novel, und auch den passenden Reiseführer, schöne Kinderbücher, leckere Kochbücher und vieles mehr.

Für unser Sortiment erhalten wir täglich Komplimente und möchten hier das Geheimnis lüften, warum es sich im Librium etwas anders anfühlt als in manchen anderen Buchhandlungen: Wir wählen unsere Bücher konsequent nach persönlichem Geschmack aus, das heisst, wir führen nicht nur bekannte Autoren deren Bücher in qualitätsbewussten Verlagen erscheinen, unsere Sympathie gilt auch kleinen Verlagen, auch unbekannten Schriftstellern, ganz speziell schön gestalteten Büchern. Dabei geht es nicht nur um das Wahre, Schöne, Gute, bei uns finden Sie auch einen spannenden Krimi oder gute Unterhaltungslektüre, weil wir nicht glauben, dass wertvolle Bücher langweilig sein müssen. Bei uns lässt sich also viel entdecken, auch stehen bei uns Trouvaillen, die im schnell drehenden Markt längst vergessen sind. Eine unserer wichtigsten Aufgaben besteht darin, für Sie die Spreu vom Weizen zu trennen und Ihnen mit unserer kompetenten Auswahl Vorschläge zu machen, was für Sie lesenswert sein könnte. Nehmen Sie sich Zeit für ausgedehntes Schmökern und Blättern in unseren Büchern. Oder Sie kommen direkt zu uns und sagen uns, was Sie suchen: Wir beraten Sie kompetent und sehr gerne! Und wenn Sie nur erzählen wollen, wie Ihnen das soeben gelesene Buch gefallen hat, wir sind gespannt auf Ihre Meinung.

Kommen Sie vorbei, wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Librium  – die unabhängige Buchhandlung seit 1979

5plus

5plus ist eine Kooperation von acht Buchhandlungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Alle sind mittelständische, unabhängige Buchhandlungen, die ihre Sortimente mit Leidenschaft zusammenstellen und Wert auf qualifizierte Beratung legen. In Zeiten einer sich rasch verändernden Buchbranche möchten die 5plus-Buchhandlungen ein Zeichen setzen, um die Bedeutung des traditionellen Buchhandels zu unterstreichen.

Das Magazin erscheint 2-mal jährlich und ist im Librium erhältlich.

Darüber hinaus ist 5plus auch verlegerisch aktiv: In der gemeinsamen „Edition 5plus“ erscheint jeweils im Herbst ein Buch in einer exklusiven, nummerierten Auflage. Bis jetzt erschienen: Erzählungen von Louis Begley, Irène Némirovsky, William Boyd, Henry James, Gaito Gasdanow und Michael Köhlmeier.

Service

Als unabhängige, kleinere Buchhandlung bieten wir Ihnen dieselben Dienstleistungen wie die Grossen. Und noch viel mehr.

• Sortiment
Wir führen ein sorgfältig ausgewähltes Sortiment an Büchern im Laden, schöne und gute Bücher. Stöbern und entdecken Sie.

• Beratung
Sie suchen ein Geschenk für die Nichte, den Grossvater, für sich selbst. Wir nehmen uns Zeit für eine persönliche Beratung.

• Bücher bestellen
Wenn Sie sich für ein im Laden nicht vorhandenes Buch interessieren, erfahren Sie bei uns Lieferfrist und Preis im Voraus.
Alle lieferbaren Bücher sind innerhalb von ein bis zwei Tagen für Sie bereit zum Abholen. Wir bestellen auch fremdsprachige Bücher für Sie.

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Gerne nehmen wir auch Bestellungen per Telefon entgegen, oder legen Ihnen ein vorrätiges Buch zur Seite. Tel.: 056 222 46 66
Dasselbe gilt natürlich auch für Mails: buch@librium.ch

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Bestellen Sie über unseren Webshop die von Ihnen gewünschten Titel. Wir antworten Ihnen umgehend und garantieren einen schnellen Service.

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Die meisten Bücher können wir Ihnen zur Ansicht bestellen, so dass sie diese unverbindlich anschauen können. Fragen Sie uns danach.

• Büchergutscheine
Als einziges Land gibt es in der Schweiz Büchergutscheine, die Sie in jeder Buchhandlung einlösen können. Wir führen aber auch Librium- Gutscheine, auf Wunsch schicken wir Ihnen Gutscheine mit Rechnung zu.

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Gerne organisieren wir den passenden Büchertisch für Ihre Veranstaltung. Kommen Sie auf uns zu.

• Recherche
Sie brauchen zu einem Thema, z. B. für eine Weiterbildung, eine Übersicht der lieferbaren Bücher. Wir recherchieren für Sie und stellen Ihnen gerne eine Liste zusammen.

• Preise/Mengenrabatte
Die Preise für Bücher sind frei. Wir haben faire Preise, gerne können Sie uns mit anderen Anbietern vergleichen.
Ab 10 Exemplaren desselben Titels erhalten Sie bei uns 5% Rabatt, ab 20 Exemplaren 10% Rabatt. Bei grösseren Mengen erstellen wir Ihnen gerne eine unverbindliche Offerte. Davon ausgenommen sind Bücher von Schulverlagen, deren Preise bereits tief kalkuliert sind.

• Haben Sie andere Ideen und Wünsche? Sprechen Sie mit uns, wir sind offen dafür.

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… wir kompetente und individuelle Beratung bieten.

… Sie eine sinnliche und persönliche Atmosphäre vorfinden.

… wir ein unabhängiges, inhabergeführtes Fachgeschäft sind.

… Sie Ihre Stadt stärken und gute Arbeitsplätze erhalten.

… wir zu einem kulturell vernetzten und lebendigen Baden beitragen, ohne Subventionen.

Danke, dass Sie bei uns einkaufen!

MitarbeiterInnen

  • Susanne Jäggi

    Susanne Jäggi, im Librium seit 1979

    Susanne Jäggi, im Librium seit 1979

  • Laurin Jäggi

    Laurin Jäggi, im Librium seit 2014

    Laurin Jäggi, im Librium seit 2014

  • Doris Widmer

    Doris Widmer, im Librium seit 2003

    Doris Widmer, im Librium seit 2003

  • Denise Zumbrunnen

    Denise Zumbrunnen, im Librium seit 2016

    Denise Zumbrunnen, im Librium seit 2016

Veranstaltungen

25.10.2016

Frédéric Zwicker liest aus «Hier können Sie im Kreis gehen»

Am Anfang steht eine fabelhafte Hochstapelei. Der 91-jährige Witwer Johannes Kehr kommt scheinbar nicht mehr mit seinem Leben zurecht. Er ist dement und tritt in ein Pflegeheim ein. Aber – seine Demenz täuscht er nur vor. Was Kehr zunächst wie ein famoser Jux zu seinem Vorteil auszuspielen vermag, erweist sich zunehmend als anspruchsvolle Schauspielerei. Letztlich verknüpfen sich mit seiner Situation existenzielle Fragen übers Erinnern und Vergessen, übers Älterwerden und die Liebe.
Frédéric Zwicker wurde 1983 in Lausanne geboren und wuchs in Rapperswil-Jona am Zürichsee auf, wo er heute wieder lebt. Während seines Studiums der Germanistik, Geschichte und Philosophie trat er regelmässig an Poetry Slams auf und arbeitete danach unter anderem als Musiker, Werbetexter, Journalist und Pointenschreiber für die Satiresendung Giacobbo/Müller. Der Roman «Hier können Sie im Kreis gehen» ist sein Debüt.

Ort: Buchhandlung Librium

19:30 Uhr

Moderation: Colin Schatzmann

22.11.2016

Ursula Hasler liest aus «Blindgänger»

Jean-Pierre Marty ist ein sonderbarer Fall. Seine Herkunft hat er gleich doppelt verloren. Nach einem Sturz erwacht er im Krankenhaus – ohne sein biografisches Gedächtnis. Entgegen innerer und äusserer Widerstände setzt er sich mit dem fremden «Andern» auseinander, der er zuvor gewesen sein soll. Zunehmend nimmt er sich durch die versuchte Rekonstruktion der Leere in Herz und Seele an und erfindet seine eigene Geschichte – und Identität. Denn: Je mehr er über seine angebliche Persönlichkeit erfährt, desto weniger weiss er, ob er in deren Leben überhaupt zurück will.
Ursula Hasler ist in Schaffhausen aufgewachsen und lebt heute in Baden. Sie studierte in Zürich Germanistik und Psychologie. Nach zehn Jahren in Paris arbeitete sie als Übersetzerin und Dozentin an der Dolmetscherschule Zürich. Sie ist heute als Professorin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften tätig. «Blindgänger» ist ihr erster Roman.

Ort: Buchhandlung Librium

19.30 Uhr

Moderation: Colin Schatzmann

13.01.2017

Poesie und Lyrik in Songtexten

Sind Songtexte ohne Musik Poesie, Lyrik oder Literatur? Ein musikalisch literarischer Abend

Jeder hat sein Lieblingsmusikstück zu dem man tanzt, singt, lacht, das einen bewegt oder sogar ein Leben lang begleitet.
Die Musik lenkt vom Songtext ab. Der fremdsprachige Text wird nicht übersetzt, oft realisiert man gar nicht, was erzählt wird, was für Geschichten im Text verarbeitet sind. Die textlichen Feinheiten werden ignoriert, weil der Beat so stark und kräftig ist.
Andreas Storm und Roman Tschopp gehen der Frage nach, ob Songtexte ohne Musik bestehen können: als Gedicht, als Poesie, als Kurzliteratur.
Es werden Texte vorgestellt von den Talking Heads, Element of Crime, Leonard Cohen, deutschem Hip Hop und einigen Klassikern.
Nach der Lesung laden «Die Plattenleger» zum Tanzabend ein.
Andreas Storm ist Schauspieler und Regisseur, wohnhaft in Zürich.Roman Tschopp, Musikliebhaber, wohnhaft in Wettingen.

Ort: Kulturlokal Royal

19.30 Uhr

Gast: Andreas Storm

Moderation: Roman Tschopp

Anschliessend: Tanzparty mit den «Die Plattenleger»

22.02.2017

Heinrich Steinfest liest aus «Das Leben und Sterben der Flugzeuge»

Das neuste Werk des Autors ist ebenso überraschend und temporeich wie seine Vorgänger: Ein gewöhnlicher Spatz, der gleichzeitig ein Kommissar namens Blind sein soll; ein nie gebauter Wolkenkratzer, welcher jedoch für beide, Spatz und Kommissar, von grösster Bedeutung ist; das Wrack genau jenes Flugzeuges der Malaysian Airlines, das ein paar Monate später spurlos verschwinden wird, liegt bereits heute an einen geheimen Ort. 
In Steinfests Kosmos sind Widersprüchlichkeiten einfach nur selbstverständlich und ein Abenteuer, auf das man sich unbedingt einlassen sollte.
Heinrich Steinfest ist 1961 in Australien geboren, wuchs aber in Wien auf und lebte dort bis Ende der neunziger Jahre als bildender Künstler. Heute ist er in Stuttgart zu Hause und widmet sich vor allem der Schriftstellerei. Einem breiten Publikum sind auch seine Kriminalromane um Kommissar Cheng ein Begriff.

Ort: Buchhandlung Librium

19.30 Uhr

Moderation: Nathalie Schmid

24.03.2017

Michelle Steinbeck liest aus «Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch»

Eine Entwicklungsgeschichte der etwas anderen Art: Michelle Steinbecks Debüt erzählt in sinnlicher Sprache die virtuosen Abenteuer der jungen Frau Loribeth, deren Ängste vor dem Erwachsenwerden buchstäblich lebendig geworden sind. Mit wachem Blick, viel Witz und einer poetischen Sprache führt Steinbeck die Leser durch Loribeths Reise, einer Reise zwischen Traum, Imagination und Realismus.
Michelle Steinbeck ist 1990 in Lenzburg geboren und lebt heute in Basel und Zürich. Sie studierte Literarisches Schreiben in Biel. Steinbeck ist Redaktorin der Fabrikzeitung sowie Veranstalterin und Mitglied von Babelsprech, dem Internationalen Forum für junge deutschsprachige Lyrik. Michelle Steinbeck veröffentlichte Prosa und Lyrik in Sammelbänden und Heften. «Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch» ist ihr erster Roman.

Ort: Buchhandlung Librium

19.30 Uhr

Moderation: Halina Hug

27.04.2017

Sacha Batthyany liest aus «Und was hat das mit mir zu tun?»

In seinem Debütroman «Und was hat das mit mir zu tun?» beschäftigt sich Sacha Batthyany mit seiner Familiengeschichte. Prägen vorangegangene Generationen die Art, wie wir leben? Batthyany beginnt, nach Antworten zu suchen. Sein Buch ist eine ungewöhnliche, gegenwärtig erzählte Familiengeschichte, die durch verschiedenste Länder führt, und zugleich das Psychogramm einer Generation.
Sacha Batthyany, geboren 1973, studierte Soziologie in Zürich und Madrid. Er war Redakteur bei der Neuen Zürcher Zeitung und arbeitet seit 2010 beim Magazin des Tages-Anzeigers. Seit 2015 lebt er in Washington, D.C., wo er für den Tages-Anzeiger und die Süddeutsche Zeitung als Korrespondent über Politik und Gesellschaft berichtet. «Und was hat das mit mir zu tun?» ist sein erster Roman.

Ort: Villa Langmatt

20.00 Uhr

Moderation: Halina Hug

Buchtipps

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Juli Zeh, Unterleuten

„An diesem Roman habe ich fast zehn Jahre gearbeitet. Im Nachhinein kommt es mir vor, als hätte ich „Unterleuten“ weniger geschrieben als bewohnt. Mein ganzes schriftstellerisches Leben lang wollte ich einen Gesellschaftsroman schreiben. Als Jugendliche las ich die grossen französischen oder russischen Romane von Balzac, Zola, Dostojewski und Tolstoi, als Erwachsene die grossen amerikanischen Erzähler wie Updike, Franzen, DeLillo und Roth. Für mich ist dies die literarische Königsdisziplin: wenn es gelingt, nicht nur eine spannende Geschichte und interessante Figuren zu erschaffen, sondern darüber hinaus den Zeitgeist und die Befindlichkeiten einer ganzen Epoche in einen Roman hineinzuerzählen.

Es geht um die grossen Fragen unserer Zeit. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des persönlichen Eigeninteresses? Wie entstehen Konflikte? Woran glauben wir? Was ist aus dem alten Krieg zwischen Kommunismus und Kapitalismus geworden, wie lebt er in der modernen Zeit weiter? Wie kommt es, dass alle immer nur das Beste wollen und am Ende trotzdem schreckliche Dinge passieren?“

Ich zitiere hier aus einem Brief, den Juli Zeh an Buchhändlerinnen und Buchhändler geschrieben hat, weil ihre eigenen Worte besser beschreiben, worum es in diesem Roman geht, als ich es könnte. Was ich hingegen kann, ist, zu sagen, dass es Juli Zeh gelungen ist, dem genannten Kanon von Gesellschaftsromanen einen bedeutenden hinzuzufügen. Was für ein Lesevergnügen, was für eine genaue Beschreibung der Figuren, die dieses Dorf bevölkern. Für die Zeit der Lektüre habe ich in Unterleuten gelebt, habe ich mich immer wieder durch unvorhersehbare Wendungen überraschen lassen, habe gestaunt, wie echt die von Zeh geschaffenen Figuren  erschienen, wie es weder gut noch böse gab, sondern ständig neue Einsichten. Für mich hat Juli Zeh mit diesem unglaublich spannenden, facettenreichen Roman gezeigt, dass sie fähig ist zur Königsdisziplin, zu einem Werk, das uns Leser packt und mitnimmt und unseren Horizont erweitert. Ein eindrückliches Leseerlebnis, dass mich noch lange beschäftigen wird!

Susanne Jäggi 

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Berlin cover

Lucia Berlin, Was ich sonst noch verpasst habe

Lucia Berlin (1936 - 2004) hinterliess ein Werk von 76 Kurzgeschichten, die in den 1980er Jahren publiziert und danach vergessen wurden - bis die Autorin Lydia Davis erneut auf sie aufmerksam machte. Im letzten Jahr erschien eine neu zusammengestellte Auswahl, die kurz danach auf der New York-Times-Bestsellerliste landete. Von vielen Schriftstellern gelobt, mit einigen der ganz Grossen verglichen: Meine Erwartung war entsprechend gross, ebenso gross die Enttäuschung nach dem Lesen der ersten Erzählung. Die Sammlung ist chronologisch geordnet, nach der Lektüre der späteren Stories verstand ich die Begeisterung. Dabei erzählt sie scheinbar Banales, oft aus dem Leben gewöhnlicher Menschen: Haushaltshilfen, Krankenschwestern und Lehrerinnen. Es geht um scheiternde Ehen und schwangere Mädchen, um Immigranten, um Einsamkeit, Liebe und Gewalt. Die Orte des Geschehens sind die des Alltags: Wachsalons, Cafés, Wohnungen und Arztpraxen. Die Sprache von Lucia Berlin ist pointiert-trocken aber auch oft voller Melancholie. Das Herausragende für mich bei dieser Lektüre ist die Liebe, die die Autorin ihren Figuren entgegenbringt, die Kenntnis ihrer Verzweiflungen und der Mühsal des Lebenskampfes. Das Rohmaterial zu diesen Erzählungen ist Lucia Berlins eigenes Leben: Sie ist 1936 in Alaska geboren, wo ihr Vater als Bergbauingenieur arbeitete, später hat sie fast überall im Westen der USA gelebt, ausserdem in New York, in Chile und Mexiko. Als Kind erlitt sie Missbrauch, als Erwachsene war sie jahrzehntelang alkoholabhängig. Sie war mit Dichtern und Musikern befreundet. Mit Anfang dreissig war sie bereits dreimal geschieden und hatte vier Söhne. Ihr Geld verdiente sie als Putzfrau, Aushilfslehrerin und Krankenpflegerin. Lucia Berlin hat aus diesem reichen Fundus geschöpft und ein lesenswertes Werk hinterlassen. Bitte lesen!

Susanne Jäggi 

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flanagan

Richard Flanagan: Der schmale Pfad durchs Hinterland

Der australische Schriftsteller Richard Flanagan erzählt vom Bau der sogenannten Todeseisenbahn im Urwald Thailands. Während des Zweiten Weltkrieges wollte die japanische Armee diese Versorgungslinie mit Hilfe von asiatischen Zwangsarbeitern und alliierten Kriegsgefangenen anlegen, über hunderttausend Menschen starben dabei. Der Protagonist Dorrigo Evans befindet sich mit seinen Soldaten der australischen Armee in einem der Lager. Sie leiden an Unterernährung, Krankheit, Sklavenarbeit und unmenschlicher Brutalität der japanischen Aufseher. Nüchtern und detailliert beschreibt Flanagan die Grausamkeit und Unwürdigkeit in dieser Lagerhölle. Die Erzählstruktur ist komplex angelegt, die Handlung verläuft nicht Chronologisch und nimmt verschiedene Perspektiven ein. So wird auch Evans Leben vor dem Krieg und danach erzählt. Er verpasst eine grosse Liebe, die ihn im Lager am Leben hält, er wird zum Kriegshelden und endet in einer Vernunftehe. All dies scheint dem Protagonisten zu passieren, immer waren es die Umstände und die Erwartungen der Gesellschaft, die über sein Leben bestimmt haben. Flanagan gelingt es, auf dem schmalen Grat zwischen Brutalität des Krieges und Schönheit der Sprache zu balancieren und dabei aufzuzeigen was den Menschen im Kern ausmacht.

Laurin Jäggi

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orkeny

Istvàn Örkény, Minutennovellen

Skurril sind sie, und bisweilen auch ein bisschen altmodisch, diese Minutennovellen. Kleine Geschichten auf maximal vier Seiten, die aber jedes Mal zuverlässig ein ganzes Universum vor dem Auge des Lesers entstehen lassen. Alle langen Erklärungen und Einordnungen in einen grösseren Zusammenhang fallen weg, meist wird man gleich Zeuge einer aussergewöhnlichen oder absurden Wendung, die das Leben der unterschiedlichsten Figuren nimmt.

Mal fallen selbstmörderische Tulpen vom Balkon, weil sie keine Tulpen mehr sein möchten, wie gleich zu Beginn, dann wieder belauschen wir einen ad absurdum geführten Streit zwischen zwei Kohle schleppenden Bewohnern in einem vom Krieg zerstörten Mietshaus. Obwohl so unterschiedliche, universelle Dinge wie Zufälle, Zwänge, krankhafte Eitelkeiten, der Tod oder sogar Autostopp Gegenstand der Novellen sind, spürt man doch die typisch ungarische Seele in fast jedem Satz.

Örkeny wurde 1912 in Budapest geboren, jüdisch, war Apotheker und Chemiker und verbrachte den Krieg in einem russischen Arbeitslager. 1953 veröffentlichte er seinen ersten Roman und wurde ab den sechziger Jahren auch im Ausland bekannt. 1979 starb Istvan Örkeny und gilt heute als moderner Klassiker.

Doris Widmer

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penny

Laurie Penny, Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution

Die englische Journalistin und Autorin ist die derzeit wichtigste stimme des jungen Feminismus. In ihrem Buch „Unsagbare Dinge“ analysiert sie auf brillante Weise die Missstände in westlichen Gesellschaften. Der Feminismus, den sie vertritt versteht sich als Mittel zum Kampf gegen Ungerechtigkeit und setzt sich ein für die Unterdrückten. Penny bietet keine einfachen Lösungen, aber ihre scharfen Analysen der gesellschaftlichen Strukturen, die zu Ungleichheit führen, zeigen auf was sich ändern muss.
Sie entlarvt die Mechanismen des Neoliberalen Kapitalismus, die zu sozialer und ökonomischer Diskriminierung führen und fordert Emanzipation für alle. Die Genderkonformität schadet nicht nur den Frauen, auch queere Menschen und Männer leiden unter gesellschaftlichen Rollenbildern. Ebenso prangert sie einen Feminismus an, der das Bild der Karrierefrauen verbreitet, Arme, Queere, Nicht-Weisse bleiben davon ausgeschlossen.
Penny schreibt klug, wortmächtig, witzig und furios. Ein Feminismus, als gesellschaftsverändernde Kraft, der sich einsetzt für die Gerechtigkeit und Freiheit aller.

Laurin Jäggi

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dust

Eilon Paz: Dust & Grooves, Plattensammler und ihre Heiligtümer 

Die Schallplatte feiert dieser Tage ein Comeback, zumindest was die Verkaufszahlen betrifft. Doch für die in diesem opulenten Bildband portraitierten Sammler war sie nie weg. Der Fotograf Eilon Paz hat seine über hundert Protagonisten weltweit besucht und sie inmitten ihrer Sammlung fotografiert. Darunter sind bekannte Namen wie Gilles Peterson oder Questlove (The Roots), aber auch unbekannte Sammler. Neben den grossformatigen und grossartigen Fotos enthält das Buch auch ausführliche Interviews. So unterschiedlich diese Menschen und Sammlungen auch sind, es eint sie die Leidenschaft für Vinyl und die Liebe zur Musik.
Viele der hier portraitierten widmen einen nicht unerheblichen Teil ihres Lebens ihrer Sammelleidenschaft. Die Geschichten, die sie erzählen handeln von ihren Abenteuern, die sie auf der Jagd nach raren Platten erleben durften, davon wie die Musik sie mit anderen Menschen zusammengebracht hat, und natürlich von Musik, deren schönste Speicherform immer noch die Schallplatte darstellt.

Laurin Jäggi

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elefanten_im_garten

Meral Kureyshi: Elefanten im Garten

„Ich habe mir meine Muttersprache selbst beigebracht, da war ich zehn“, resümiert die Schriftstellerin Meral Kureyshi gegen Ende Ihres Debütromans. Als zehnjähriges Mädchen kam Kureyshi mit ihrer Familie in die Schweiz. Geflohen aus Prizren, einer osmanisch geprägten Stadt im ehemaligen Jugoslawien, dort einer türkischsprachigen Minderheit angehörend. Dreizehn Jahre dauert das Asyl, dreimal wird der Asylantrag der Familie abgelehnt, die Ablehnung wieder zurückgenommen. Kureyshi erzählt rückblickend von ihrer Kindheit, atmosphärisch dicht und anschaulich. Sie beschreibt die Geschichte ihrer Familie aus der Sicht eines verunsicherten Mädchens. Die Abschiebung in die alte Heimat, immerhin zurück zur geliebten Grossmutter, steht an, – alle Möbel sind schon weg, in der Schule wurde das Mädchen kühl verabschiedet – als im letzten Moment doch ein Brief mit einem wiederum vorläufig positiven Entscheid eintrifft. Beinahe unerträglich ist es, dieser Handlung zu folgen, verständlich dagegen, dass sich die Protagonistin in Phantasiewelten rettet, Phantasien von einem stabilen Leben und gesellschaftlicher Anerkennung.
Der Tod des Vaters lässt alles Geschehene klar hervortreten. Meral Kureyshi beginnt, ihre Geschichte zu erzählen, in einer klaren, schlichten Sprache – dem ihr immer noch nicht gänzlich vertrauten Deutsch.

Susanne Jäggi

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camartin

Iso Camartin, Bin ich Europäer? Eine Tauglichkeitsprüfung

Auch im Jahr 2015 hat dieses Buch, obwohl bereits fast zehn Jahre alt, nichts von seiner Aktualität eingebüsst. In diesen Tagen können sich viele Europäer zwar immer weniger mit dem Gebilde der EU identifizieren, fühlen sich jedoch zweifelsohne in Europa zu Hause und blicken mit einem gewissen Stolz auf die Errungenschaften ihres Kontinents.
Der Frage, was denn nun genau einen Europäer ausmacht, geht Iso Camartin nach, indem er uns seine ganz eigene und sehr gelungene Auswahl  grosser historischer Persönlichkeiten präsentiert, deren Ideen das Europa wie wir es heute wahrnehmen, geformt haben. Er charakterisiert so brillante Denker wie Francis Bacon oder Giordano Bruno, Schriftsteller wie Sartre aber auch Musiker wie Bach oder Händel.
Neben diesen Porträts nähert sich Camartin der europäischen Identität auch über Betrachtungen zur Sprache im Allgemeinen und zum Rätoromanischen im Besonderen, er schildert uns heimische und fremde Sitten und Gebräuche, lässt uns unberührte Natur erleben und versucht so, eine Antwort auf die titelgebende Frage zu finden.
In diesen kurzen Essays lässt er zwar meist Höhepunkte eines humanistischen Bildungskanons Revue passieren, ohne allerdings je professoral zu wirken. Im Gegenteil, er versucht, den gemeinsamen europäischen Nenner mit Witz und Leidenschaft zu ergründen und lässt die Leser die Frage, ob auch sie Europäer seien, mit einem klaren Ja beantworten.

Doris Widmer

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Lukas Bärfuss: Stil und Moral

Lukas Bärfuss ist zur Zeit wohl der präsenteste Schweizer Autor. Mit seinem Essayband Stil und Moral scheint er die Aufmerksamkeit auch politisch nutzen zu wollen. Die Sammlung besteht aus essayistischen Texten und Reden, die über die letzten Jahre entstanden sind.
Inhaltlich gehen die Themen weit über die Politik hinaus, behandelt Bärfuss doch ein breites Spektrum von Bildung über Literatur bis Kolonialismus. Gemeinsam ist den Texten jedoch die Herangehensweise des Autors. Die ausgezeichnet geschriebenen Essays überzeugen durch eine erzählerische Sprache, so wie durch eine klare Haltung. Bärfuss versucht die Widersprüche und Ungerechtigkeiten aufzuzeigen und scheut sich nicht, sich selbst in die Kritik miteinzubeziehen. Er geht von sich und seinen Erfahrungen aus. Besonders berührend gelingt dies bei der Beschreibung seiner Herkunft aus schwierigen Verhältnissen und seinen Problemen in der Schulzeit, oder bei seinen Leseerfahrungen.
Aber auch die grossen Fragen zu Themen wie Freiheit, Kapitalismus und Ausbeutung werden nicht abstrakt verhandelt, sondern bestechen durch klare Worte und unbequeme Positionen.
Häufig vernimmt man die Klage, dass sich Intellektuelle und Künstler heutzutage nicht mehr zu gesellschaftlichen oder politischen Themen äussern würden. Hier ist einer.

Laurin Jäggi

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moderne Poesie

Moderne Poesie in der Schweiz, Eine Anthologie von Roger Perret

113 Jahre Poesie: Diese Anthologie spiegelt das poetische Schaffen in der Schweiz im zwanzigsten Jahrhundert und bis heute. Die poetische Moderne beginnt in der Schweiz um 1900 mit Blaise Cendrars, Robert Walser und Adolf Wölfli. In einer ungezwungenen Chronologie folgt die Anthologie dem Lauf der Zeit. Sie ist so komponiert, dass zwischen den Gedichten Schwingungen und Resonanzräume entstehen, ein poetisches Gespräch, nicht als Zeitdiagnose, sondern eine Art Tiefenstrom der Geschichte. So sprechen Emmy Ball-Hennings mit Annemarie Schwarzenbach, Paul Klee mit Sonja Sekula, Hermann Hesse und Jörg Steiner mit Louis Soutter oder Erika Burkart mit Luisa Famos und Anne Perrier. Poesie wird hier erstmals in ihrer ganzen Breite präsentiert, lyrische Prosa ist ebenso berücksichtigt wie Wort-Bild-Arbeiten, Mundartgedichte oder Songtexte von Mani Matter über Endo Anaconda bis Sophie Hunger. Neben den Landessprachen sind auch diejenigen von Aus- und Eingewanderten vertreten, alle fremdsprachigen Texte sind in deutscher Übertragung wie im Original wiedergegeben. Gegen sechshundert Werke von rund zweihundertfünfzig Autorinnen und Autoren in ihrer ganzen reichhaltigen und überraschenden Vielfalt erhalten hier eine «kleine Poesie-Herberge».
Dieses wunderschön gestaltete Buch ist eine verlegerische Großtat, ein Buch, von dem ich hoffe, dass es noch mindestens 113 Jahre existiert.

Susanne Jäggi

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zeh tiere

Juli Zeh, Nachts sind das Tiere

Es gibt kaum eine Schriftstellerin im deutschsprachigen Raum, die sich konsequenter in die Politik einmischt und die Phänomene der modernen Gesellschaft schärfer analysiert als Juli Zeh.
Ob sie nun der Frage nachgeht, welchen Einfluss soziale Medien auf uns haben und was in Zukunft im Zeitalter der Digitalisierung von uns bestehen bleibt; ob sie Bildungswesen, Europapolitik oder den Aufschwung anderer Kulturen wie China oder den arabischen Raum beleuchtet; diese in den letzten zehn Jahren entstandenen Essays und Reden widerspiegeln ziemlich genau, was unsere Gesellschaft heute bewegt.
In dieser Sammlung lernen wir aber auch sehr persönliche Seiten von Juli Zeh kennen: wir begegnen Ihrem Sohn und Ihrem Mann, begleiten die Autorin auf einem Streifzug durch ihre Heimatstadt Bonn, erleben den Literaturbetrieb im Allgemeinen und ihr eigenes literarisches Arbeiten im Besonderen.
Egal ob nun ein Thema von grösster politischer Brisanz oder nur für das Individuum relevant ist, Juli Zeh ermutigt die Leser, sich eine eigene Meinung zu bilden und erachtet die (Entscheidungs-)Freiheit stets als oberstes Gebot.

Doris Widmer

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guggenheim

Kurt Guggenheim, Alles in Allem 

Das Fremdsein im Eigenen, das Heimischwerden im Fremden

Anfang der Siebziger Jahre – gerade sechzehn Jahre alt - lebte ich für ein Zwischenjahr in Zürich. Meine Mutter gab mir bei der Abreise den Roman „Alles in Allem“ von Kurt Guggenheim mit und empfahl mir diese Lektüre, um etwas von Zürich zu verstehen. Da ich ganz auf mich alleine gestellt war, in einem Haushalt arbeitete, wo ich zum Personal zählte und also keinen Familienanschluss hatte, blieb viel Muße, für diese über tausendseitige Romanchronik, die Zürich in vier Kapiteln von 1900-1945 darstellt. Ich versank in diesem wunderbaren Werk, das sich über fünfundvierzig Jahre bewegende Geschichte erstreckt, dargestellt an hundertvierzig Menschen, viele davon mit einem realen Hintergrund, neben mir den aktuellen Stadtplan. Ich tauchte ein in diesen Kosmos von verschiedenen Religionen, gesellschaftlichen Schichten, politischen Wirrnissen und städteplanerischen Umwälzungen. Am Ende der Lektüre verspürte ich die schmerzliche Leere, die nur gelungene Literatur hinterlässt. Bei der zweiten Lektüre, etwa drei Jahrzehnte später, staunte ich über die Komplexität und die aktuelle Bedeutung dieses Meisterwerks und fragte mich zugleich, was ich in meinem jugendlichen Alter wirklich verstanden hatte, eine Frage, die wohl den meisten „Wiederlesern“ bekannt ist.
Auch Kurt Guggenheim, 1896 in Zürich geboren, und bis zu seinem Tod 1983 in Zürich lebend, war erst sechzehn Jahre alt, als er begann, ein ausserordentlich literarisch orientiertes Tagebuch zu führen. Ab 1930 widmete er sein Leben ganz dem Schreiben. 1946, nachdem er schon einige Romane veröffentlicht hatte, schrieb er an seinen Verleger Friedrich Witz: „Ich will zwischen 50 und 60 einen grossen, modernen schweizerischen Struktur- und Generationenroman schreiben. Das Problem für mich ist, die ihm adäquate neue Form zu finden.“ Und wie ihm dies gelungen ist! Von 1952 bis 1955 erschien der Roman in vier Teilen, nach dem Erscheinen des letzten Teils erhielt er für das Werk 1955 den Zürcher Literaturpreis. Doch lesen Sie selbst, folgen Sie Aaron Reiss, dem Alter Ego Guggenheims durch diese fünfundvierzig Jahre in Zürich, lassen Sie sich von seiner Liebesgeschichte, seinen Hoffnungen und Enttäuschungen ergreifen, Sie werden es nicht bereuen!

Susann Jäggi

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reichlin

Linus Reichlin, In einem anderen Leben

Mit „In einem anderen Leben“ legt Linus Reichlin einen Coming-of-Age-Roman vor. Der Schweizer Autor wurde mit dem 2008 erschienenen Krimi „Die Sehnsucht der Atome“ einer breiteren Leserschaft bekannt. In seinem neuesten Werk begleiten wir den Protagonisten Luis auf seinem Weg zum Erwachsenwerden. Er wächst als Einzelkind mit schrecklichen, sich im Ehegrabenkrieg befindlichen Eltern auf. Der Vater ist ein Trinker und als die Mutter nach einem Unfall zu einem komatösen Pflegefall wird, bricht die Familie vollends auseinander. Luis, nun ein junger Mann, flieht und versucht sich fortan selbst über Wasser zu halten und seine unglückliche Kindheit und Jugend zu vergessen. Doch seine Dämonen folgen ihm, der sich ein anderes Leben aufzubauen vermochte, in einem anderen Land. Und sie stören sein vermeintliches Glück, seine Beziehungen, bis er sich endlich seiner Geschichte stellt.
Ein kluger und wundersam berührender Roman darüber, wie stark wir von unserer Herkunft geprägt werden und warum es sich lohnt, sich damit auseinanderzusetzen um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Laurin Jäggi

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Grjasnowa

Olga Grjasnowa, Die juristische Unschärfe einer Ehe

Wer Olga Grjasnowas Erstling mit dem Titel Der Russe ist einer, der Birken liebt gelesen hat, kann sich wohl gut an die spezielle Atmosphäre des Buches erinnern. Die selbe Stimmung packt einen auch beim Lesen des zweiten Werks der jungen deutschen Autorin mit aserbaidschanischen Wurzeln. In dem Roman geht es um die junge Tänzerin Leyla, ihren Ehemann Altay und ihre Geliebte Jonoun. Leyla, die nach einem Sturz das Tanzen aufgeben muss, flieht in ihre Geburtsstadt Baku, in der Hoffnung, dort eine Lösung für die aufgeladene Dreiecksbeziehung zwischen ihr, Altay und Jonoun zu finden. Als sie schliesslich in einem aserbaidschanischen Gefängnis landet, reisen Altay und Jonoun ihr nach. Alle drei sind sie auf der Suche nach der Liebe, vor allem aber auf der Suche nach sich selbst. Dabei spielen Bisexualität, Heimatlosigkeit und sowjetische Wurzeln tragende Rollen. Obwohl die Themenwahl und die Stimmung des Romans stark an den Erstling der Autorin erinnern, unterscheiden sich die Bücher doch sehr. Der Schreibstil und das Buch an sich wirken ausgereifter. Die junge Autorin hat für den Roman drei wunderbare Figuren geschaffen und eine tiefgründige, packende Geschichte geschrieben, die unter die Haut geht.

Debora Stoffel

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siekkinen

Raija Siekkinen, Wie Liebe entsteht

Es gibt so viele Gründe, weshalb wir lesen, einer der wichtigsten ist wohl, dass wir in eine andere Welt eintauchen möchten. 
Beim Lesen der zehn Erzählungen der 1953 geborenen Finnin geschieht jedoch etwas ganz anderes: Jede Ihrer Geschichten führt die Leser ganz direkt zu sich selbst. Wie das funktioniert? Raija Siekkinen erzählt von Wendepunkten im Leben ihrer Protagonistinnen. Dabei erzählt sie so karg und einfach, dass viel Raum entsteht und man an ähnliche Wendepunkte im eigenen Leben erinnert wird. In der Erzählung »Liebe« schreibt sie: »Vier waren wir und alle schon einmal geschieden. (…) Heinonen hatte ich schon gekannt, als er sich von seiner Familie trennte, und auch, als er sich von der Frau trennte, wegen der er seine Familie verlassen hatte. Ich wusste noch, wie matt und gebeugt er damals aussah und wie sich weiße Haare in seinen schwarzen Bart mischten.« 
Ihre Sprache ist von großer Poesie und Ruhe und hat eine Strahlkraft, die bewirkte, dass ich alle Erzählungen hintereinander las. Danach begann ich gleich nochmals von vorn … 
Es bleibt zu wünschen, dass noch viel vom Werk dieser 2004 gestorbenen Schriftstellerin ins Deutsche übersetzt wird.

Susanne Jäggi

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alles was leuchtet

Hubert Dreyfus, Sean Dorrance Kelly: Alles, was leuchtet. Wie grosse Literatur den Sinn des Lebens erklärt

In den heutigen westlichen Gesellschaften gibt es kaum mehr allgemeingültige Wertesysteme, an denen man sich orientieren kann. Die beiden angesehenen US-amerikanischen Philosophen Hubert Dreyfus und Sean Dorrance Kelly attestieren unserer Gegenwart, ein säkulares Zeitalter zu sein, dem der Sinn des Lebens abhandengekommen ist. Sie bedienen sich für ihr Buch in der Literaturgeschichte, und die Beispiele, die sie heranziehen, sind unter anderem Texte von Autoren wie David Foster Wallace, Homer, Augustinus, Dante und Herman Melville. Diese Vorgehensweise ist auch das Besondere dieses populärphilosophischen Buches. Die Texte von Wallace dienen als Analyse des heutigen Zustandes und stehen für einen gescheiterten Versuch, diesen zu überwinden. Denn der Siegeszug der Vernunft seit der Aufklärung und der Glaube an die Naturwissenschaften hätten die Welt entzaubert und die Sinnfrage erübrigt. Als Reaktion würden viele Zeitgenossen in »Unentschlossenheit, Sprachlosigkeit und ›Verlorenheit‹ verharren«. Der Mensch aber habe trotzdem ein Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit, nach Trost und Glück.
Die Autoren versuchen diesem Missstand entgegenzutreten, indem sie ihn analysieren und Wege aufzeigen, wie die Welt wieder zu einer »leuchtenden« werden kann, ohne dass man dazu religiös werden muss.

Laurin Jäggi

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murakami

Haruki Murakami, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Die fünf waren während der Schulzeit eine unzertrennliche Clique, zwei Mädchen und drei Jungen, und jeder trug eine Farbe in seinem Namen: Rot, Blau, Weiß und Schwarz. Außer Tsukuru Tazaki, der sich selbst auch im übertragenen Sinn als farblos empfand und sehr darunter litt. Als er mit Anfang zwanzig von einem Tag auf den anderen aus der Gruppe ausgeschlossen wird, heißt es, er wisse schon, warum. Heute, mit sechsunddreißig, weiß Tsukuru den Grund für diesen plötzlichen Bruch, der ihn an den Rand des Selbstmordes gebracht hatte, noch immer nicht. Er lebt allein und unauffällig, lässt keine richtige Nähe zu und ist überzeugt, dass die Schuld immer bei ihm liegt, wenn sich jemand von ihm abwendet. Als Sara in sein Leben tritt, spürt er, dass dies die Frau ist, die ihm guttut, und dass er sie verlieren wird, wenn er sich nicht endlich auf die Suche nach der Wahrheit macht. Und so sucht er seine ehemaligen Freunde einen nach dem anderen auf und findet auf seiner Reise verblüffende Antworten. Ein wunderbares Buch, das sowohl Einsteiger als auch eingefleischte Murakami-Fans begeistern wird.

Doris Widmer

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reza

Yasmina Reza, Glücklich die Glücklichen

Glücklich die Lesenden dieses Buches, möchte ich in Abwandlung des sehr schönen Titels dieses Romans als Erstes bemerken. Die 1959 geborene Französin Yasmina Reza – die vor allem durch ihre Theaterstücke bekannt wurde – legt hier einen Roman in mehreren Akten vor. Ganz in der Gegenwart spielend wie ein Theaterstück, wird hier ein Freundeskreis vorgestellt, bestehend aus Paaren, Einzelgängern und Familien. Es sind Journalisten, Ärzte, Schauspieler, die wir in kurzen, tragischen oder komischen Szenen erleben.
Dabei sitzt man als Leser in der ersten Reihe: Rezas Figuren kommen so nahe, dass man glauben kann, selbst ein Teil dieses Freundeskreises zu sein, so direkt und gegenwärtig schildert die Autorin den Alltag, die Gedanken und die Befindlichkeit ihrer Figuren. Und alles in so dicht gedrängter Form, dass klar ist, dieses Buch kann nochmals gelesen werden, und noch einmal wird gelten: Glücklich die Lesenden!

Susanne Jäggi

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goubran

Alfred Goubran, Durch die Zeit in meinem Zimmer

Ein junger Mann aus der Vorstadt einer Kleinstadt lehnt das bürgerliche Leben seiner Eltern ab. Er lebt von der Hand in den Mund, schläft tagsüber und lässt sich durch die Nacht treiben. Eine Existenz ohne wirkliche Verpflichtungen oder Bindungen. Als er unverhofft an eine größere Menge Geld kommt, verlässt er sein schäbiges Zimmer in seiner engen Stadt und reist Richtung Süden. Eine Reise, die, durch Zufall geleitet, immer merkwürdiger und absurder wird und in einem schwarzen Schloss im Niemandsland endet.
Nach und nach vermischen sich im Text Wirklichkeit, Erinnerung, Traum und Fieberwahn. Diese Verwirrung erfasst neben dem Protagonisten auch den Leser. Ist das nun erzählte Realität oder ein fiebriger Traum? Der Erzähler dieser Geschichte wechselt die Perspektive, schweift ab, vermischt Zeit und Raum, Wahrheit und Fiktion und stellt somit die Realität infrage. Der österreichische Autor Alfred Goubran schreibt mit kraftvoller und verstörender Sprache, die bleibende Bilder hinterlässt.

Laurin Jäggi

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schmidt

Joachim B. Schmidt, In Küstennähe

Eigentlich könnte Làrus Kristjanson zufrieden sein mit seinem Leben in den Westfjorden Islands: Neben der Arbeit als Hauswartsgehilfe im lokalen Altersheim verdient er viel Geld mit Drogengeschäften. Für ihn kein Wunder, dass auch die junge Pflegerin Soffia auf ihn zu stehen scheint. Trotzdem fühlt Làrus sich alleine und würde gerne eines Tages Island für immer verlassen. Als er wegen einer defekten Heizung einige Tage im Zimmer von Grìmmur, dem Schlächter, arbeiten muss, ist dies der leise Anfang einer tiefen Freundschaft zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern. Grìmmur, über den man sagt, er habe seine Schwester ermordet und im Meer versenkt, hat seit deren Tod kein Wort mehr gesprochen. Bruchstückhaft lässt er nun Làrus an seinem Schicksal teilhaben.
Genauso wie die Geschichten dieser Männer ist auch der Erstling des 1981 geborenen Schweizers Joachim B. Schmidt, der selbst in Island lebt: Ich versank in der düsteren Abgeschiedenheit der Westfjorde Islands, lachte und litt mit den Protagonisten bis zum dramatischen Finale.

Debora Stoffel

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John Lanchester, Kapital

Eigentlich geht es in der Pepys Road in Südlondon immer um das liebe Geld: Es beschäftigt den Banker, dessen Bonus dieses Jahr nur gerade 30‘000 £ statt der erhofften Million beträgt, den polnischen Handwerker, der sich kein richtiges Leben in der Fremde aufbauen will, sondern für seinen Vater in Polen spart, die pakistanische Familie, die mit ihrem Laden an der Ecke ebendieses  mit überlangen Öffnungszeiten sauer verdienen muss.
Und dann sind da noch jene, denen alles Geld nichts mehr nützt, weil Gesundheit und Freiheit eben nicht käuflich sind: Die alte Frau, die gegen ihre Krebserkrankung kämpft, der junge Pakistani, den eine falsche Freundschaft ins Gefängnis bringt, die Fussballhoffnung aus Afrika, deren Karriere schon zu Ende ist, bevor sie überhaupt begonnen hat; sie alle sind Teil einer Gesellschaft, die 2007 langsam in die  Finanzkrise schlittert.
Eines aber verbindet die Bewohner der Pepys Road miteinander: Sie erhalten anonyme Postkarten mit dem einen Satz darauf: „Wir wollen, was ihr habt“. Und dies bedeutet natürlich für jeden etwas Anderes...
Ein grossartiges, vielschichtiges Gesellschaftspanorama, rasant wie eine Soap!

Doris Widmer

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feldenkirchen

Markus Feldenkirchen, Keine Experimente

Wie kommt ein junger Mann dazu, Werte einer älteren Generation zu vertreten? Der konservative Bundestagsabgeordnete und Familienpolitiker Frederik Kallenberg tut dies seit seiner Jugendzeit. Sein Weltbild entstand, als er ein ungeliebter Jugendlicher war und im Gymnasium von einem anderen Aussenseiter zu einer Parteiversammlung der CDU eingeladen wurde. Er legte eine steile Politkarriere in Berlin hin ohne zu merken, wie festgefahren seine Prinzipien sind und wie wenig Gedankenfreiheit er sich selbst zugesteht. Zur Erleichterung der Leserin erfasst aber auch diesen Menschen, der bisher privat wie beruflich so zielstrebig lebte, die Krise in der Mitte des Lebens.
Ausgelöst wird diese von einer jungen, sorglosen Feministin, die seine Steifheit bei einem Podiumsgespräch erkennt und sein Weltbild zum Einstürzen bringt. Doch Kallenberg steckt mitten im Wahlkampf und hat eigentlich keine Zeit für Gewissenserforschung oder eine  unerlaubte erotische Begegnung. Er hatte überhaupt noch nie wirklich Zeit für sich. Wie er und seine Umwelt mit seinem Nachholbedarf umgehen,  ist rasant und sehr spannend erzählt vom 1975 geborenen Autor, der sich auch journalistisch mit der deutschen Politik beschäftigt. Sehr lesenswert!

Susanne Jäggi

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